Freitag, 13. September 2013

Eberesche, Äpfel und Birnen


Unser Obstkorb - Apfel- und Birnenbaum meinen es diesen Herbst richtig gut mit uns.

Vogelbeeren, Eberesche Drosselbeere, Quitsche oder Krametsbeerbaum, damit ist ein und der selbe Baum gemeint. So gering die Ansprüche dieses Laubbaumes an Witterung und Boden sind, so sehr bietet er den Menschen und Tieren Nahrung und Nistmöglichkeit. Und wenn auch die Früchte der Eberesche gerade überall so leuchtend orange strahlen, auf Wolle lässt sich diese wunderschöne Farbe leider nicht übertragen.*


Nach dem ersten Frost, spätestens jedoch gekocht verlieren die Früchte ihren doch heftig bitter-sauren Geschmack und sind einfach nur lecker, z.B. in Form von Gelee oder Sirup. Mit herunter gefallenen Äpfeln, Gewürzen und Ebereschebeeren habe ich ein süßlich-herbes Gelee gemacht, was auf Brot oder auch zu Käse und Backofenkartoffeln ausgezeichnet schmeckt.


Jeweils getrennt habe ich dazu 1/3 Ebereschebeeren und  2/3 Äpfel entsaftet, Fenchel im Mörser zerstoßen, in ein Papier-Teesieb gefüllt und mit Vanille zwei Stunden im Saft ziehen lassen. Dann den Fenchel herausgenommen, mit Gelierzucker aufgekocht und in Gläser gefüllt.


Das kürzlich bescherte Sturm-Fallobst habe ich zuerst zu einem Kuchen verbacken und noch warm mit dem Gelee bestrichen. Etwas geschlagener Sahne dazu ... ein Gedicht.
Da ihr mir noch so einige Verwendungsmöglichkeiten für die Birnen vorgestellt habt, werde ich das Eine oder Andere bestimmt auch noch probieren.

Apropos Gedicht - dieses hat mir schon so oft mein Mann erzählt und es passt gerade so schön:


Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
ein Birnbaum in seinem Garten stand,
und kam die goldne Herbsteszeit
und die Birnen leuchteten weit und breit,
da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,
der von Ribbeck sich beide Taschen voll.
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
so rief er: Junge, wilste 'ne Beer?
Und kam ein Mädel, so rief er: Lütt Dirn,
kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn.
So ging es viel Jahre, bis lobesam
der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. 's war Herbsteszeit,
wieder lachten die Birnen weit und breit;
da sagte von Ribbeck: Ich scheide nun ab.
Legt eine Birne mir mit ins Grab.
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
trugen von Ribbeck sie hinaus,
alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
sangen: Jesus meine Zuversicht,
und die Kinder klagten, das Herze schwer:
He is dod nu. Wer giwt uns nu 'ne Beer?
So klagten die Kinder. Das war nicht recht -
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
der neue freilich, der knausert und spart,
hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
und voll Misstrauen gegen den eigenen Sohn,
der wusste genau, was er damals tat,
als um eine Birn' ins Grab er bat,
und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
ein Birnbaumsprößling sproß heraus.
Und die Jahre gehen wohl auf und ab,
längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
und in der goldenen Herbsteszeit
leuchtet's wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung' übern Kirchhof her,
so flüstert's im Baume: Wilste 'ne Beer?
Und kommt ein Mädel, so flüstert's: Lütt Dirn,
kumm man röwer, ick gew' di 'ne Birn.
So spendet Segen noch immer die Hand
des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

                                                                                                       Theodor Fontane



Herzlich willkommen in der Runde, liebe Constance! Sie filzt, strickt und macht viele schöne Dinge besonders für ihre Kinder.

*Kermesbeere und Mädesüß müssen noch ein Weilchen hinten anstehen, die sind (zumindest zum Teil) nicht unbedingt zum Verzehr gedacht - na, wozu denn dann wohl sonst...?

Kommentare:

  1. Eberesche..... Wo hats Eberesche in meiner Umgebung?
    Du bringst mich noch auf komische ideen ;)
    Herzlichst
    yase

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    1. Schau dich nur um, die wachsen ganz bestimmt bei dir in der Nähe!
      LG, Birgit

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  2. Liebe Birgit,
    dein Obstkorb lädt ein, einen Apfel und eine Birne zu nehmen.
    Der Kuchen sieht herrlich aus. Und die roten Beeren leuchten und machen den Tag hell.
    Das Gedicht passt wunderbar.
    Einen schönen Abend wünscht dir
    Irmi

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  3. Ich hab mich noch nie getraut, Vogelbeeren zu verarbeiten...
    Fallobstkuchen gab es hier allerdings auch schon. Und am WoEnde werde ich Apfelbrot backen.
    Das Birnengedicht mussten Kathi und Mini jeweils während des 4. Schuljahres auswendig lernen und vortragen, das ist derart hängen geblieben, dass wir es immer noch aufsagen, wenn die Birnen reif sind. Und dann gibt es einen herzhaften Birnen-Ziegenkäse-Kuchen.

    Obstgrüße vom
    LandEi

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  4. Versuch´s mal, wirklich lecker!
    :oD Dem Herrn des Hauses ging es als Kind vermutlich auch so, und inzwischen wechseln wir uns beim Rezitieren ab.
    Birne-Ziegenkäse-Kuchen (geht der auch mit Schaf?), hast du davon mal das Rezept???
    Hungrige Grüße
    Birgit

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  5. Das wußte ich auch noch nicht, dass man aus den Beeren der Eberesche Marmelade kochen kann, doch die Farbe ist schön und schade, dass man damit nicht färben kann.
    Dein Kuchen ist auch lecker und das Gedicht mir wohlbekannt.
    Jetzt könnte sich der Herbst aber mal anstrengen und etwas freundlicher sein.

    Liebe Grüße von Mathilda ♥

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  6. Oh ja Vogelbeeren..die schmecken fein..so ein bißchen herb, aber sehr lecker!
    Da hab ich schon vor 30 Jahren Gelee draus gekocht und alle meinten sie seinen giftig... ;)
    LG, Petra

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  7. Liebe Birgit,
    so schöne Bilder! Ich könnte von dem Kuchen direkt ein Stück nehmen ;-) Der sieht soooo lecker aus. Und auch dein Gelee spricht mich sehr an(habe grad gelernt, das in unserer Straße auch eine Eberesche steht ☺).
    Den guten Herrn Ribbeck habe ich auch schon in der Grundschule kennengelernt (...ist das lange her....)
    Liebe Wochenendgrüße schickt dir
    Claudia, die gestern ein paar Weintrauben geerntet hat.

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  8. Hallo Birgit,

    ja das Färben mit den Beeren habe ich auch schon mal probiert und war entäuscht, es gibt da auch noch so schwarze (keine Ahnung wie des Gewächs heisst), wenn man die in den Fingern zerdrückt, dann wird man ganz lila und die Farbe geht schwer ab, aber die Färben leider auch nicht, ja so hat die Natur vermutlich bestimmt, dass manche Beeren fürs Wohl zuständig sind und nicht für den Farbtopf ,o))

    Das Gedicht ist super, wenn die Welt so wäre, dann wäre sie ein Stück besser ;o)))

    Dein Kuchen sieht lecker aus, ich habe mir gerade die Finger verstaucht, weil ich mir ein Stück aus dem Bildschirm holen wollte *hihihi*

    Ich wünsch dir ein schönes Wochenende

    LG Mela

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  9. Auja, ich habe sie auch verkocht ;-), und heute kommen Mirabellen dran, aus dem Wald, kleine gelbe und rote von zwei nebeneinanderstehenden Wildlingen... Und der Fontane ist wirklich ein immer wieder gern gehörtes/gelesenes Gedicht! Lieben Gruß Gh

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    1. Mirabellen aus dem Wald?? Nachher wollen wir auch in den Wald, da halte ich die Augen auf!
      LG, Birgit

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  10. Liebe Birgit,
    ein herrlicher Obstkorb ist ads, und köstlich, was Du daraus gemacht hast! Das Gedicht erinnert mich an meine Jahre in der Grundschule, da mußten wir das lernen ;O)Ich find es immer wieder schön!
    Ich wünsch Dir noch einen gemütlichen Sonntagabend!
    ♥ Allerliebste Grüße,Claudia ♥

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  11. Liebe Birgit,
    das Vogelbeergelee sieht fantastisch aus. Und so schmeckt's sicher auch. Ach, sei so lieb und schmeiß doch gerade mal Teewasser an, ich komme gleich rüber und dann können wir beim Geleebrot ein bisschen quatschen... Und wenn dann Dein Mann das Fontane-Gedicht aufsagt, kommen mir mit Sicherheit die Tränen. Wahre Schönheit ist vielerorts zu finden, im Gedicht und im Einmachglas zum Beispiel.
    Danke für diesen wunderbaren Post!
    Christiane

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    1. Als mein Lieber mir das Gedicht damals, beim lauschigen Spaziergang, beim "Fachsimpeln" über Plattdeutsch oder sonstiger Gelegenheit erzählte, mußte ich auch oft lachen, doch inzwischen sagen wir es einstimmig auf :oD
      LG, Birgit

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