Dienstag, 18. Februar 2014

"Schreiben wir Geschichten, die wir später gern erzählen ..."


Hören (siehe unten) und erleben führten zu diesem Titel. 
Beflügelt von so viel Grün und Natur um uns herum, hochkonzentriert, gerade in den vergangenen beiden Wochen, sind diese zwei Mützchen für kleine Garten-Zwerge entstanden. Diese sind wirklich für die ganz Kleinen aber für große Brüder und Schwestern kommt noch etwas - wenn ...


ja, wenn mich der Wassergraben wieder loslässt!
Eine der Geschichten, die wir uns in Jahren auch wieder und wieder erzählen werden:

Entlang der Straße führt ein Graben, um das durchsickernde Wasser der Wiesen und Felder aufzunehmen. Unser Graben war nun schon längere Zeit etwas "dürftig" in Schuss gehalten worden und nahm so gut wie kein Wasser mehr auf, daher rührte letztens sicher auch der kleine See, durch den sich die Schafe weigerten zu gehen. Als nun Bäume und Sträucher von der Stadt gestutzt wurden, marschierte ich frohen Mutes, mit Harke und Eimer bewaffnet los, um den Graben "mal eben" aufzuräumen. Nach gut zwei Stunden Gestrüpp, Gras und Blätter aus dem Graben harken und zu Haufen stapeln, war die eine Seite "fertig" (die spitzzüngig ironische Betonung versuche ich durch großzügig gestreute " " deutlich zu machen ☺) und ich so ziemlich am Ende!  (Wobei ich nun ehrlich behaupten darf, nicht gerade schwächlich zu sein) 
Dann kam der alte Herr vom Nachbarhof vorbei, schaute sich mein Werk an und seine lobenden Worte waren Balsam für meine müden Knochen. Wenn es ihn packt, würde er nächster Tage mal mitmachen .... (der Gute hat just seinen 92. Geburtstag gefeiert!!)


Am nächsten Nachmittag erblickte ich beim Heimkommen dass sich sich etwas im Graben bewegte! Wahrhaftig stand der liebe Mann, mit Sense und "Grepe" bewaffnet wadentief im Wasser und schnitt Gras und Moos von den Hängen. Seine plattdüsche Antwort auf meine entgeisterte Frage, was er denn da mache, war in etwas so: "Ick helf wohl mol een betgen suwer machen" - ok! Also nichts wie rein in die Gummistiefel und mit in den Graben. Es war toll! Er hat gesenst und erzählt und ich habe gegrept (keine Garantie für korrekte Rechtschreibung!), und wieder machten sich später Muskelpartien bemerkbar, die beim Zumba eindeutig zu wenig beansprucht werden. Nett auch, wie viele Leute gegrüßt und gewunken haben, die ich noch nicht alle örtlich zuordnen kann, aber das kommt schon noch. 


Samstag wurde mein Mann dann in die Kunst des Graben Sensens eingewiesen ("Euer Sens iss to lang, nimm mol min dafur"). Drei kleinere Haselbäume, die mitten im Graben standen mussten wir noch fällen und die Wurzeln aus der Erde bekommen. Die Kinder häckselten den Grünschnitt und schafften es das Tonrohr unter der Straße mit langen Stangen zu durchstoßen.  Jetzt wartet noch die andere Seite ...

  
Zu seinem Geburtstag bekam der liebe Nachbar Herzlichen Dank-Törtchen. Sonntag kam er dann nochmal zur Visite vorbei und erzählte uns Geschichten aus seinem Leben.  Die Socken ruhten und werden ein anderes Mal zu Ende gestrickt. Wegen dieser akuten Grabenpflege war es hier etwas ruhig, zum Kommentieren und Fragen beantworten fehlte einfach die Zeit. Manche Dinge können keinen Aufschub vertragen.


Wunderschön beschreibt Julia Engelmann, Studentin aus Bremen und Poetry Slammerin in einem literarischen Vortragewettbewerb was wir alles tun wollen, es aber doch nicht schaffen und irgendwann bereuen, dass wir es nicht getan haben: "One Day Baby..." unbedingt zum öfter Hören empfohlen!!


A warm welcome to all! Tanja mag gern spinnen, stricken häkeln lesen und Hörbücher, Birgit sitzt sowohl gerne strickend oder lesend im Café und auch im Garten und Judy  quiltet, strickt, spinnt und webt und schätz den Austausch mit anderen kreativen Menschen aus der ganzen Welt.

Kommentare:

  1. So eine schöne Geschichte - die erzählt ihr sicher noch viele Male. Einfach wunderbar, wenn man in seinem Tun so eine Reaktion erfährt.
    Und wie toll, dass der Gute in seinem Alter noch so zupacken kann. Ich sehe, er ist Radfahrer... ;)
    Liebe Grüße
    Christiane

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    1. ...inzwischen schiebt er mehr und befördert sein Werkzeug, aber trotzdem Hut ab! Gestern kniete er sich auf den Boden, um mir Äpfel einzupacken und brauchte sich beim Aufstehen noch nicht mal auf meinen, auf Einsatz wartenden, Arm stützen. Ein anderer Nachbar, vielleicht ein paar Jahre jünger, fährt nach einem Schlaganfall wieder mit seinem Dreirad bis zur Nachbarstadt.
      Hoffentlich ist uns ein ähnlich selbständiges Leben im Alter vergönnt...
      Lg, Birgit

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  2. Der Wahnsinn - dagegen ist Zumba wirklich ein Spaziergang!!! Man kann nun aber nicht behaupten, dass du keine Fußabdrücke in deiner Umgebung hinterlassen hast. Ich bin gespannt was sich aus der Aktion noch so alles entspinnt. LG bjmonitas

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    1. Die Antwort ist nach unten gerutscht, unter Berni!

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  3. Deine Geschichte ist so toll und super finde ich, dass euer Nachbar so fitt ist und seine Erfahrungen mit euch teilt.
    Liebe Grüsse
    Berni

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    1. Vor zwei Jahren muss er eine ganze Weile krank gelegen haben und konnte nichts tun, erzählte er, und heute...!

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  4. Wir wachsen langsam aber hoffentlich stetig in dieses bestehende Geflecht ein. Beim Schützenfest streike ich allerdings ;o)
    LG, Birgit

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  5. Ich lese und lese und deine Geschichte gefehlt mir immer besser ich wäre gern dabei gewesen Platt kann ich auch das wäre eine lustige runde gewesen schön .lg galina

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    1. Die Sprüche von dem Guten sind zum Piepen, alle kann ich gar nicht aufschreiben...
      Gebürtig bin ich ja vom Niederrhein weg und verstehe daher ganz gut Platt, aber mit dem Sprechen (oder Schreiben) hapert es dann doch. Auch ein Kulturgut, was langsam ausstirbt.
      Lot jonn, Birgit

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  6. So hübsche Zwergenmützen hast du gemacht.
    Das es mit dem Graben etwas länger dauern könnte, habe ich mir fast gedacht. Die Begegnung mit eurem Nachbar zeigt wieder, wie schön und wichtig die menschlichen Begegnungen sein können. Ich zitiere dich: "Spannend ist deine Begegnung in jedem Fall und dass sich zur rechten Zeit findet, was zusammen kommen soll, zählt mit zu den schönsten Erfahrungen, die wir machen können. Genieße sie!" Toll hast du es geschrieben und finde, es gehört auch hier hin.
    Beim Schützenfest würde ich auch streiken. Doch, sag niemals nie ;-) Eine Weiberfastnacht damals und eine Zeit im Chor haben mir schöne Begegnungen zum heimisch fühlen beschert.
    Dein neuer Header ist toll, wunderschöne Farben, genau meine Farben. Ich habe noch viel geerbte Wolle, die ich nicht weggeben mag. Nur die Farben sind daher nicht immer so attraktiv wie bei dir.
    Und ein paar neue Seiten sind auch entstanden. Sehr schön ist es hier.

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  7. :oD Das war jetzt aber wirklich purer Zufall! Aber es ist was dran. Bin auch gespannt, was noch alles passieren wird.
    Mit dem Header hab ich's endlich geschafft. Wenn man einmal weiß wie, ist es nicht so schwer.
    Mit Farben kann man auch schön mischen, mal was gedecktes und dazwischen bunt. Schau dir mal monitas Mathe-Socken an, die sind genial! Und mit deiner Sockenanleitung kann man doch sicher auch schön mit den Farben spielen...
    GLg, Birgit

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  8. Vor solchen Menschen habe ich den allergrößten Respekt. Zupacken statt nur gucken. Wenn man es noch kann natürlich. Deine Geschichte berührt mich richtig. Für euren Nachbarn war es ein Bedürfnis, sein Wissen zu teilen und weiter zu geben. Ein wenig Abwechslung vom Alltag, der vielleicht nicht allzuviele Abenteuer mehr zu bieten hat. Ein wenig Gemeinschaftsgeist, so wie in früheren Tagen. Und ein kleiner Test, was man selber noch im Stande ist, zu leisten. Ich hoffe, ihr werdet durch diese Bekanntschaft noch ein paar nette Stunden hin und wieder verbringen können.
    LG Tanja

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    1. Das hoffe ich sehr, Er hat und möchte noch vieles weitergeben.

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  9. Liebe Birgit,
    diese Geschichte muss man ganz einfach öfter erzählen. Wunderschön.
    Einen schönen Dienstag wünscht Dir
    Irmi

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  10. Ich bin ja nicht mehr klein, aber die Mützen gefallen wir so gut, die würde ich selbst auch aufsetzen (jaja, das Kind in mir *lach*).

    Ich finde es so toll, wie die Generationen gerade bei Euch ineinander übergreifen und Hut ab, in dem Alter noch in den Graben zu steigen ist eine echte Leistung. Ich glaube hier machen die Leute das gar nicht mehr selbst, da fährt ein grosser Wagen immer längs der Strasse und macht das mit schwerem Gerät.

    Liebe Grüsse, Manuela

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    1. Witzigerweise haben sich die Teddy- und Eulenmütze auch Erwachsene ausgesucht. Hab so viel im Kopf aber die Hände sind abends oft müde.
      Gemäht wurde der Rand auch schon, aber das ist kaum der Rede wert. Am WE geht´s weiter.
      LG

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  11. Die Mützen...! Ich muss jetzt auch so schöne Mützen stricken, denn Bori hat sie auch gesehen...:-)

    Und die Geschichte finde ich so schön! Es ist immer so gut zu hören, lesen, dass es solche Nachbarn gibt! Und mir fällt auch wieder ein, dass auch unser Graben gemacht werden muss.:-(

    Liebe Grüsse
    Betti

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    1. Das bekommst du locker hin und Bori freut sich ☺!

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  12. Was für schöne Zwergenmützchen! Und auch deine "Graben-Fotos" finde ich schön - so sieht es in der Heimat meines Mannes auch aus. Sicher klingt auch das Platt dort ähnlich. Schön ist es auch, von eurer Nachbarschaftshilfe zu lesen. So etwas ist ein großes Glück!
    Liebe Grüße schickt dir Doro

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  13. ... Ich bin sehr berührt....
    Herzlichst
    yase

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  14. Es sind doch immer die Begegnungen mit Menschen, die das Leben so lebenswert machen. Euer Nachbar war sicher auch sehr glücklich auf Euch zu treffen ... endlich mal was los!!
    LG, Andrea

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  15. Hallo Birgit,
    was ist das doch für eine tolle Wassergrabengeschichte und wie lieb deine Dankeschöntörtchen aussehen!
    Es freut mich für den alten Herrn, das er doch noch so rüstig ist.
    Die kleinen Mützchen finde ich ganz zauberhaft.
    Liebe Grüße,
    Heidi

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  16. Die Geschichte vom Wassergraben erinnert mich an frühere Zeiten, denn so einen Wassergraben hatten wir auch und ich bin immer gerne dort gewesen, lieber ganz allein. Füße rein (im Sommer) und die Blutegel kamen, aber auch Kaulquappen und das war mein schönstes Erlebnis, denn so konnte ich zuhause erleben, wie sie sich weiterentwickelten.
    Danach kamen sie wieder in den Wassergraben und an der angrenzen Wiese erfreute ich mich über jeden hüpfenden Frosch.

    LG Mathilda ♥

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    1. Getier lebt im Graben nicht, dazu ist der Wasserpegel dann doch nicht konstant genug. Aber Kröten haben wir hier im Garten auch.
      LG

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  17. Das ist doch das was das Leben ausmacht. Diese Geschichten die das Leben schreibt. Einfach ohne Hintergedanken helfen oder zuhören. Menschen kennenlernen, Freundschaften schließen, sich austauschen Klasse.
    Deine Mützen simd sehr süß geworden, da werden sich die Zwerge aber freuen.
    LG Bärbel

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  18. Das ist eine Geschichte, die sich nicht nur ins Herz, sondern auch gleich ins Körperbewusstsein schreibt, und das kann sich laaaange erinnern ;-). Zwergenmützchen und -kuchen allerliebst... Lieben Gruß Ghislana

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    1. Dieser Tage habe ich überlegt, die Artikel doch mal für mich abzuspeichern, denn es entwickelt sich wirklich zu einem bebilderten Lesebuch...

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  19. Die Mützchen sehen bezaubernd aus, du hast sie so liebevoll bestickt. Deine Wassergrabengeschichte erinnert mich an meine Kindheit, als bei uns im Dörfchen die älteren Männer den Graben alle paar Jahre?? aushuben. Heute gibt es diesen Graben nicht mehr, die Straße wurde verbreitert.
    Viele Grüße
    Beate

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    1. Zur Zeit gibt es hier im Umkreis noch sehr viel Landwirtschaft und so lange es die Felder gibt, bleibt der Graben sicher erhalten (auf die Arbeit könnte ich unter Umständen jedoch verzichten;o)).
      LG, Birgit

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  20. Was ein schöner Post, liebe Birgit.
    Und es ist so schön den "Alten" mal zuzuhören. Ich glaube die Dankbarkeit ist dann auf beiden Seiten, nicht wahr?
    HG sendet Dir
    Birgit, die deine Mützchen zauberhaft findet!

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  21. Ach sind die Mützen süß!!! Bin total verliebt!
    Liebe Grüße!
    Eva

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  22. Auch wenn es schon ewig her ist, dass Du diesen Post geschrieben hast: danke für den Link zu dem tollen Gedicht! Ich muss da mal mitschreiben... :-)
    Viele Grüße, Khendra

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    1. Ein Text, der sich unbedingt lohnt, ihn immer mal wieder anzuhören, damit wir nicht vergessen.

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