Mittwoch, 2. April 2014

Ganz schön sauer!


Dem neuen Mitbewohner, der sich nun seit ein paar Wochen in unserer Küche aufhält, wird dieser Tage die Räumung angeordnet.
Die ganze Geschichte war schon seit Wochen geplant und begann schließlich mit einer Einladung an einem Sonntag Morgen:


Zuerst wurde mit schwerem Gerät der Grundsubstanz zu Leibe gerückt, um sie in handgerechte Stücke zu zerlegen. Eine ganze Schubkarre voller Köpfe harrte ihrer Verwendung. Erst einen Boden mit der Säge abtrennen, mittig teilen und dann das Herz durch einen Mittelschnitt und zwei seitliche heraus lösen.



Unser lieber Nachbar hatte in der Tenne alles vorbereitet, gezeigt und erklärt und uns dann selber machen lassen. 
Wichtig ist, wie man den Kohl auf die Reibe aufsetzt, damit feine Scheiben entstehen. Große Stücke dürfen nicht in den Topf. Den nächsten wiederum setzt man ´auf Eck` auf den vorhergehenden, damit den Fingern nichts passiert. 
Seit Jahrzehnten macht er so das Sauerkraut für die ganze Familie und es schmeckt super lecker (eine Portion seiner eigenen Reserve, die für den nächsten Tag vorgesehen war, hatte sich bis zum Abend längst in unsere Mägen verteilt)!



Es war einfach nur toll - zuschauen, hören, mittun.
Eine handvoll Kraut, grobes Salz zwischen drei Finger und ein paar Wacholder Beeren und dann stampfen, stampfen, stampfen.
Eine ungewohnte Bewegung, auf Dauer doch recht anstrengend. Zum Glück konnten mein Mann und ich uns abwechseln. Aus dem Nichts trat nach und nach Flüssigkeit hervor, "Genau so soll es sein!".
Dann gab es noch ein leckeres Süppchen zur Stärkung (um zehn Uhr mittags!).
Wir konnten abschließend noch immer nicht klären, wer von uns dreien den meisten Spaß an diesem Morgen hatte.



Die erste Woche, immer, wenn ich in die Küche kam, hatte ich merkwürdige kleine Geräusche im Ohr....die Milchsäuregährung arbeitete auf Hochtouren im Napf. Ab und an wurde das Kraut im Topf herunter gedrückt und es muss immer etwas Wasser in der Rinne stehen, damit keine Luft eindringen kann. Inzwischen hört man kaum noch ein leises Blub.
Jetzt muss der Topf, den meine Eltern uns einmal geschenkt hatten und der glücklicherweise noch nicht als Pflanzgefäß in den Garten gewandert ist, kühler stehen. Und in weiteren drei Wochen gibt es das erste selbst gemachte Sauerkraut!



Über diese Erfahrung freue ich mich riesig, gerade jetzt, wo sie doch in meine Zeit der sieben Wochen ohne fällt.
Vieles hat sich ganz einfach geregelt, Eier, Milch, Brot, Gemüse, Obst, Getreide und andere Dinge des täglichen Lebens können problemlos ohne Kunststoffverpackung gekauft werden. Zugegeben ist es bei manchen Dingen schwer bis unmöglich, aber das ist auch nicht das Ziel. Stetig dran bleiben, neue Möglichkeiten suchen.
Wie so oft ist Geduld, sich ausstrecken um neuen Grund zu finden und mit anderen Interessierten im Austausch zu sein, das Wichtigste. Auch unter widrigen Umständen kann Gutes wachsen.


 
Wer nicht gelitten, hat nur halb gelebt,
wer nicht gefehlt, hat wohl auch nicht gestrebt,
wer nie geweint, hat auch nur halb gelacht,
wer nie gezweifelt, hat wohl kaum gedacht. 
Robert Burns


Der Mensch ist umso reicher, je mehr er lassen kann.
Henry David Thoreau 


Die beiden Gedichte schwirren mir seit Tagen im Kopf herum, und ich begegne ihnen in unterschiedlichen Formen. So Vieles kann nebeneinander bestehen.
Gibt es ähnliche Dinge für euch in dieser Zeit?.

Willkommen euch beiden, Birgit und Karin.

Kommentare:

  1. Ach, wie sehr das alles grad für mich passt!
    Die beiden Gedichte, deine Bilder und Worte - wunderbar stimmig.
    Liebe Grüße
    Christiane

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  2. Du unglaublich Glückliche durftest von einem netten Menschen das Sauerkrautmachen lernen! Vielen Dank für den schönen Post mit Anleitung. Seit zwei Jahren spiele ich mit dem Gedanken, mir einen kleinen Krauttopf zuzulegen und es selbst zu versuchen. Leider haben meine Eltern vor Jahrzehnten alles, was man so hatte, entsorgt. Das wird bestimmt das beste Sauerkraut Deines Lebens! Und wenn es sich dabei um euren zupackenden Nachbarn handelt, sag ihm, dass auch andere sein Wissen mit Freude teilen. Vielleicht kann er ja noch mehr zeigen und Du machst eine kleine Serie darüber? Ich würde mich unheimlich freuen. Die beiden Gedichte sind die Wahrheit und nichts, als die Wahrheit!
    Liebe Grüße
    Tanja

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  3. Abzüge der Bilder habe ich ihm versprochen und inzwischen hat er auch wieder etwas an uns weiter gegeben, ich komme gar nicht nach, läuft aber auch nicht weg.
    Lg, Birgit

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  4. Die Zeilen von Robert Burns kenne ich gut und sie bekommen mit den Jahren immer mehr Bedeutung und Inhalt, mit meinen Jahren und dem was sie gefüllt hat. Mir geht es ganz oft so, dass Weisheiten oder Sprüche mit der Zeit an Lebendigkeit gewinnen eben aus der eigenen Erfahrung heraus. Das fasziniert mich immer wieder. Genau wie die Dinge die Frau alle selber machen kann. Hut ab vor Euerm Kohl-Projekt, da steckt richtig Arbeit drin.
    Hab eine gute Woche!
    Liebe Rosaliegrüße

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  5. auf diese Art etwas lernen, ist doch das schönste was einem passieren kann. Das würde ich auch mal machen wollen, wenn gleich das Sauerkraut so gar nicht an mich geht *brrrr*. Mein Versuch 7 Wochen ohne ist nicht besonders von Erfolg gekrönt, mal waren es äußere Umstände, die mich nicht ließen, mal war mein Wille zu schwach um zu widerstehen.....ich mache jeden Tag einen neuen Anlauf und schaue obs geht. Ansonsten freue ich mich auf den Samstag nach Ostern, weil mich eine ältere Dame aus dem Altersheim zum Knödelessen eingeladen hat. Sie möchte mir Quarkknödel aus dem Sudetenland machen. Jetzt denke ich, dass ich mittun und lernen sollte und das Rezept aufschreiben. Morgen werde ich sie direkt darauf ansprechen. LG bjmonitas

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  6. Da bin ich aber gespannt auf euer Sauerkraut...... ich mag es auch sehr.
    Die Gedichte, zusammen mit den Fotos sind sehr schön.
    Liebe Grüsse und blühendes Warten auf das Kraut.
    Berni

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  7. Im Moment lerne ich im Bezug auf Freundschaft sehr sehr viel. Nicht ohne Schmerz, nicht ohne Tränen.,aber langsam mit Licht am Horizont!
    Herzlichst
    yase

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  8. Der schönste Weg eine alte Kunst zu lernen!
    Danke fürs zeigen und berichten, auch wenn man mich mit Sauerkraut jagen kann. *schüttel*
    Oh ja, Lebensweisheiten bekommen mit den eigenen Jahren immer mehr Bestätigung. Nicht umsonst wurden sie mal geschrieben.

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  9. Lecker !! Machen wir seit vielen Jahren so ( http://lebens-zeit.blogspot.de/search/label/Sauerkraut ), allerdings bereits im Herbst. Fast 8 Kilo sind in diesem Winter schon verspeist worden. Die Herstellung dieses leckeren Krautes, habe ich von meiner Mutter gezeigt bekommen und die von ihrer Mutter. Bin gespannt wie euer Sauerkraut wird und euch schmeckt. Gutes Gelingen.
    Liebe Grüße
    Rita

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    1. Ja, wir sind recht spät dran, aber unser lieber Nachbar (gut über 90) wollte es uns hier und jetzt zeigen. Wenn ich ihn mal zwei Tage nicht sehe, frage ich mich, ob es ihm wohl gut geht...

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  10. Liebe Birgitt,
    früher haben wir auch immer Sauerkraut und saure Bohnen eingemacht.
    Seit ich allein bin, lohnt das nicht mehr. Ich bedauere das sehr.
    Bin gespannt, wie dir das Sauerkraut schmeckt.
    Einen schönen Wochenteiler wünscht Dir
    Irmi

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  11. Hallo Birgit,
    Danke, dass wir bei der Herstellung dabei sein durften. Bei uns ist Sauerkraut nicht so beliebt und gibt es daher sehr selten. Und in den alten Sauerkrauttopf von Oma kommen demnächst Blumen (Schäm), und da schimpfen die Männer wenn sie ihn raustragen müssen, denn er ist mit Erde gefüllt ziemlich schwer.
    Aber lasst es Euch Schmecken!
    LG
    Manu

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  12. Liebe Birgit,

    das sind ja ganz herrliche Fotos von Eurer Sauerkrautherstellung. Mmmmh, dann darf ja bald geschlemmt werden. Von unserem Koreaaufenthalt haben wir Kimchi-Töpfe mitgebracht. Dort haben sie das Sauerkraut auch eingemacht, allerdings mit anderen Gewürzen und dann standen überall auf den Flachdächern der kleineren Häuser diese großen Gefäße. Diese Fotos haben mich nun wieder total an diese Zeit erinnert. Ich finds klasse dass Du das Plastikprojekt weiter verfolgst. Ich versuche hier auch mein Bestes aber es ist echt nicht einfach.

    Herzliche Abendgrüße
    Kerstin

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    1. Wir lieben Kimchi!! Auch davon hatte uns eine Koreanerin mal ein Rezept gegeben, schön scharf!

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  13. Liebe Birgit,

    selbstgemachtes Sauerkraut, das ist doch einfach himmlisch. Da habe ich früher auch immer schon vor dem Kochen genascht. Oft bekomme ich es ja nicht, aber ich versuche es immer auf Märkten und manchmal hat man Glück. Lasst es Euch schmecken.

    Liebe Grüße
    Jutta

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  14. Liebe Birgit,
    das ist ja interessant mit der Sauerkrautherstellung, schöne Bilder hast du gemacht.
    Liebe Grüße von Tatjana

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  15. Das hat meine Mama auch gemacht Lecker .lg galina

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  16. Hallo Birgit,
    herrlich ist es, euch bei der Sauerkrautherstellung zuzuschauen!
    Würde mich interessieren wie das Kraut schmeckt in drei Wochen, vielleicht berichtest du darüber?
    Die Gedichte sind schön und wahr!
    LG Heidi

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  17. Ganz berührend..., das wird ein Sauerkraut! Und die drei letzten Bilder mag ich sehr!!! Lieben Gruß zur guten Nacht - Ghislana

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  18. Hmmmmm.... selbstgemachtes Sauerkraut!!! Super, dass ihr das von eurem netten Nachbarn lernen durftet!
    Es wird dir sicherlich wunderbar schmecken, da bin ich sicher!

    Liebe Grüße vom
    LandEi

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  19. Liebe Birgit,
    dieser Post ist wunderbar und hat mich sobene beim Lesen und Btrachten in meine Kindheit zurückversetzt. Da kam einmal im Jahr die "Sauerkrautfrau" mit ihrem schweren Hobel und dann wurde im Keller Kohl gehobelt, bis alle Fässer voll waren! Ich seh grad die Bilder vor mir, als wenn es gestern gewesen wäre..... und dann später Mama beim kontrollieren, beim abwaschen und wieder verschliessen, bis es endlich gut war und wir es geniessen konnten! Toll, daß Du es nun auch so machst und alte Traditionen aufleben läßt!
    Die Gedichte find ich sehr schön und so wahr!
    Ich wünsch Dir einen wunderschönen und glücklichen Tag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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  20. Selbstgemachts Sauerkraut, daran kann ich mich nur noch aus meiner Kindheit erinnern. Seither hab ich auch kaum noch mal welches gegessen. Viel Erfolg und gutes Gelingen
    LG von der Maus

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  21. Hallöchen Birgit, na die Bilder kommen mir sehr bekannt vor! Wir sind zwar nur 2 Personen, aber ich mache unser Kraut auch noch selber ein. ☺
    Grüßle und einen wunderschönen Tag heute wünscht dir
    Crissi

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  22. Wow! selbstgemachtes Sauerkraut! Ich bin begeistert!
    Back to the roots, und ich finde das richtig gut!
    lg Sina

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  23. Das stimmt, so vieles kann nebeneinander bestehen, man muss es nur zulassen, akzeptieren, annehmen :-) Oh selbst gemachtes Sauerkraut, das hört sich toll an. Ich bin zwar nicht so der ganz große Fan von Sauerkraut, aber bei so einem edlen Kraut würde ich es auch essen. Der Geschmack ist ja überhaupt nicht vergleichbar mit dem gekauften Kraut.
    Herzliche Grüße
    Sabine

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  24. So einen Nachbarn hätte ich auch gerne. Danke für den schönen Beitrag.
    LG Ursula

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  25. Liebe Birgit
    Mmmhhh.... selbstgemachtes Sauerkraut. Das schmeckt bestimmt herrlich!
    Eine glückliche und sonnige Restwoche wünscht Dir Yvonne

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  26. Tolle Bilder! Vielen Dank fürs Teilen, Birgit :-). Ich kann mir gut vorstellen, daß der Morgen viel Spaß gemacht hat. Schön, daß so etwas heute immer noch weitergegeben wird! Der Deckelbeschwerer von dem Topf ist cool. Wir hatten damals einen einfachen Ziegelstein, der natürlich auch seinen Zweck erfüllte. Vielleicht war der ursprüngliche Beschwerer irgendwann kaputt gegangen, das weiß ich nicht mehr. War Deiner beim Topf dabei?
    Liebe Grüße und noch ein schönes Wochenende!
    Nata

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  27. Liebe Birgit, da wäre ich ja gern dabei gewesen, um es auch zu lernen! So vieles an alten Traditionen und Techniken geht verloren ohne das man es merkt...Auf meiner Liste zum Lernen, neben Sauerkraut machen steht auch: spinnen, weben und Körbe flechten...da fehlt sicher noch einiges!
    Ich habe auch versucht in den "7 Wochen" ohne Plastik aus zukommen, bin aber schon nach wenigen Tagen völlig frustriert gewesen, da so vieles, wenn nicht völlig in Plastik aber fast IMMER mit Plastikbestandteilen wie Sichtfenster versehen ist, selbst in meinem Lieblingsbioladen, in dem wir das meiste, das gebraucht wird, einkaufen. Aber nach wie vor beachte ich meine Devise: So wenig wie möglich! So viel wie möglich unverpackt. Dir weiterhin gute Ideen und gutes Gelingen damit!
    liebe Grüße
    Kathrin

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  28. Hallo Birgit,
    selbst gemachtes Sauerkraut ist wasTolles. Hier bei uns in der Nähe, in Eckenhagen, gibt es immer ein Kappesfest, bei dem das selbst gemachte Kraut, das die Jungs vom Heimatverein fabrizieren, immer schon nach wenigen Stunden ausverkauft ist. Es ist einfach soo lecker. Um da ein Eimerchen Kraut zu ergattern, musst du echt fix sein... :-)
    Liebe Grüße,
    Katja

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