Dienstag, 3. Juni 2014

Unsere erste Schur



Hier tragen sie noch fast majestätisch ihre dicke Wolltracht. Dann, vor ein paar Wochen ergab sich im Dingdener Heimathaus ein Gespräch mit einem älteren Herrn und natürlich ging es dabei auch um Schafe, um seine und um unsere. Er war so nett, und vermittelte den Kontakt zu seinem Scherer aus den Niederlanden. Flugs angerufen, konnte er uns einen konkreten Schur-Termin noch nicht nennen. An einem Mittwoch Abend dann aber stand fest: Morgen werden die Schafe geschoren!
Damit wir am nächsten Tag nicht erst eine Verfolgungsjagd über die ganze Wiese veranstalten müssen, hatten wir abends noch mit Maschenzaun das Terrain etwas begrenzt, aber der offene Stall unserer Damen brauchte auch noch dringend eine Tür. Gut, also alle Ecken in der Werkstatt und auf dem Dachboden durchstöbern, fündig werden, und dann durfte mein lieber Mann basteln.
Am nächsten Morgen, Schafe rein, Klappe zu! Noch bei der Tierärztin vorbei, Wurmkur abholen, bevor der Schafscherer dann vor der Tür stand. Während er alles vorbereitet hat, konnte ich noch Zimtschnecken in den Backofen schieben (eine kleine Stärkung für nachher), dann ging es los.



                   


Es gab so viel zu schauen und ich habe beim Scheren nur ein paar Handy-Bilder gemacht.  Den weißen gab er die Spritze mit der Wurmkur und bei Pünktchen hat er mich dann machen lassen. Das Blauspray (zur Wunden Behandlung) brauchten wir nicht ein Mal. Die drei haben alles so gut mitgemacht, wie sie da auf ihren wolligen Hintern saßen. Unsere gewichtigen Damen in diese relaxte Position zu bekommen, muss ich noch üben. Der Scherer war ganz ruhig und sprach wenig während der Arbeit. Ein Satz, hat mich wirklich herzlich gefreut: er sagte, dass er jetzt seit 34 Jahren Schafe schert, aber solche glänzenden "Krullen" hat er noch nicht gesehen.



Anfangs guckten die Damen noch etwas irritiert. Das gab sich aber schnell, als sie merkten, wie unbeschwert sie nun waren. Während die Tiere ihre Kraftreserven mit Gras und etwas Heu auftankten, haben wir uns mit einem Kopje Koffie an die Zimtschnecken gehalten und noch eine Weile erzählt. Während der Saison gibt es für die Scherer Unmengen an Arbeit. Ein anstrengende Arbeit, wie ich finde, bei der der Scherer durchaus auch recht schmerzhafte Erfahrungen machen kann (davon erzählte der andere Schafscherer am letzten Samstag). Hier waren es nur drei, die kleine Herde letztens bestand aus rund 35 Muttertieren.




Zufälligerweise hatte ich just ein paar Wochen vor der Schur dieses Wunderwerk der Technik im DRK-Warenhaus entdeckt und es freudestrahlend sofort mit nach hause genommen. Die alte Wäscheschleuder hat die Arbeit beim Waschen der Wolle im Vergleich zum letzten Jahr ungemein erleichtert. 
Das ganze Wochenende wurde dann sortiert, gewaschen, gespült und bei herrlichem Sonnenschein getrocknet. Angefangen hatte ich mit Pünktchens schwarz-brauner Wolle, aus der schon nach dem zweiten Spülen fast klares Wasser herauskam. Das Trockengestell ist ein Holzrahmen mit Kaninchendraht. Ausgebreitet und ab und an auseinander gezupft war die Wolle im Nu trocken. Die braune Wolle ist schön im Griff und luftig,  für Mützen und Pullis bestens geeignet. Die Wolle der weißen ist noch nicht komplett fertig, dazu gibt es demnächst Bilder, denn gefärbt wurde damit natürlich auch schon ein wenig! 






Offensichtlich gefiel der Dunklen der Sonnenschein so gut, dass sie nicht zu überzeugen war, mit den beiden weißen im Schatten ihre Siesta zu halten. Unser Sohn hat dann an ihrem Lieblingsplatz eine Art Baldachin montiert.☺Spätnachmittags kamen dann spontan noch Tanten und Onkel auf eine Stippvisite und staunten nicht schlecht über die dicken Wollmäntel der drei. Und unsere Große malte an diesem Abend auf der Wiese mit Lehmtinte noch eine Art Tattoo auf ein altes Brett, was jetzt im Garten steht und mich beim Vorbeigehen an diesen schönen Tag erinnert.





Kommentare:

  1. Das hört sich nach einem erfüllten Tag an, an dem ich gerne dabei gewesen wäre.

    LG Ate

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  2. Was für ein Erlebnis!!
    Können Schafe auch Sonnenbrand bekommen??
    Herzlichst
    yase

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  3. Ich finde eine Schur auch immer sehr faszinierend. Mein Mann und ich haben eben deine schönen Bilder bewundert und da kam die Frage auf, wieviel Kilo Wolle pro Schäfchen wohl zusammen kamen. Aber gewogen hast du sie bestimmt noch nicht, oder?

    Liebe Grüße
    Susi

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    1. Die Frage stellte ich mir zwischendurch auch, gewogen habe ich die Wolle aber noch nicht. Vielleicht mache ich das ganz zum Schluss nochmal :o)

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  4. Danke, liebe Birgit, für diesen interessanten Post.
    Er ist sehr aufsschlußreich und ich habe viel gelernt.
    Einen schönen Abend wünscht
    Irmi

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  5. Bevor ich "Schäfchen" zählen gehe, wollte ich das doch gern noch lesen..., schön, wie alles geklappt hat und wie eure drei Damen mitgespielt haben. Die Wollvliese sehen einfach prächtig aus. Und Lehmtinte..., da spitze ich ja schon wieder Augen und Ohren. Ganz lieben Gruß zur guten Nacht Ghislana

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  6. They are lovely creatures! I like theire smile :-) And theire wool? Yammy! So pretty and shiny! It will make a beautiful yarn. Greetings!

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  7. liebe birgit,
    ich finds immer erstaunlich was die so an wolle kurz vor der schur mit sich rumschleppen :-D
    das ist doch nen ganz schönes gewicht denk ich mal und die schafe müssen sich danach doch auch unglaublich leicht fühlen, oder?
    du sicher nach der vielen arbeit sicher weniger ;-) denk ich mal.
    die fotos sprechen ja für sich, aber........ so klasse wolle ist doch auch die arbeit wert, denk ich mal.

    ich wünsch dir einen entspannten restabend und für morgen mal einen
    fröhlichen und nicht so arbeitsreichen tag.

    ein liebes grüßle sendet dir
    flo

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  8. Na, da habt Ihr ja was geschafft. Eine Wäscheschleuder habe ich auch. Ungemein nützlich zum Wollewaschen, das gute Stück. Viel Spaß noch bei der Wollbearbeitung. LG Gitta

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  9. Wow! Da waere ich auch gerne mit dabei gewesen!
    GLG Shippy

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  10. Was für ein schöner Tag. Die glänzende Wolle ist ein eine schöne Belohnung für die ganze Arbeit. Bin gespannt was du alles daraus zaubern wirst.
    Liebe Grüße
    Helga

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  11. Beautiful blog and amazing photos! You have a wonderful farm too, love the sheep! New Follower.
    Hugs,
    Jody

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  12. Liebe Birgit,
    ein toller Tag, und so schön sehen sie aus nach ihrem Friseurbesuch :O)
    Die Wolle sieht wunderschön aus, das eine Bild...genial! Was für schöne seidigen Fasern!
    Ich wünsch Dir einen schönen und glücklichen Tag!!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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  13. Ja das war sicher ein Erlebnis, so eine erste Schafschur! Die Wolle glänzt wirklich wunderschön und sieht so weich aus! Viel Spass beim Verarbeiten...... jetzt hast du ja ein Jahr lang Zeit oder wie lange dauert es bis zum nächsten Coiffeurtermin?
    Liebe Grüsse
    Berni

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  14. So schön, deinen Bericht zu lesen! Und die herrliche Wolle zu bestaunen!
    Ja, in die Lehmtinte, die interessiert mich auch. Obwohl ich da so eine Ahnung habe ...Liebe Grüße schickt dir Doro

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  15. Was für eine tolle Ausbeute! Die hellen Fasern haben ja wirklich einen wunderschönen Glanz. Ich wünsch Dir viel Spaß beim Verarbeiten der Wolle, von den eigenen Schafen ist es sowieso etwas ganz besonderes.
    Deine Bilder sind wie immer eine Wucht.
    LG von Silvia

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  16. Oh, wie aufregend und dann diese glänzenden Faserlocken! Das Lehmtatoo finde ich auch sehr sehr hübsch. Großes Kompliment an deine Große. Ich spüre sehr in diese erfüllte Zeit bei euch.
    Glückwunsch zur Schleuderhilfe. Ich mache das in der Waschmaschine im Bettbezug. Bei dir lohnt es sich aber sicher, so hast du gleich alles draußen beieinander.

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  17. Liebe Birgit,

    was für ein Abenteuer, mich fasziniert es immer noch, was die 3 für einen dichten und langhaarigen Wollpelz anhatten. Die Wolle sieht wirklich toll aus, bin schon gespannt was du draus zauberst aus deiner ersten Ausbeute ;o))) Die Schleuder ist super, die erleichtert wirklich deinen Händen die Arbeit, ein tolles Ding, gut dass du es entdeckt hast.

    Dein Töchterchen hat auch ein Händchen wie man sehen kann, tolle Erinnerung die sie da gemalt hat.

    Ich wünsch dir jetzt ganz viel Spaß beim Verarbeiten der Wolle

    LG Mela

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  18. Hallo Birgit,
    war das schön zu lesen, da hätte ich auch gerne über die Schulter geschaut! Und so vviel Wolle hast Du bekommen, und die drei sind jetzt um einiges leichter. Hier wurde wohl auch geschoren, denn die Schafe haben nun auch an Umfang verloren. Ich finde sie sehen unheimlich schön, stolz und doch verletzlich aus und ich konnte letzten gar nicht genug bekommen sie anzuschauen. Keine Ahnung weshalb sie so einen Zauber auf mich ausübten.
    LG zu Dir und einen schönen Gruß an die Tochter, das Muster gefällt mir echt gut!
    Manu

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  19. Hallo Birgit,

    Herzlichen Glückwunsch zur ersten Schafschur :D. Wir haben am Dienstag auch geschoren, das ist zwar anstrengend, aber auch wunderschön, wenn man dann das ganze Vlies vom Tier nehmen kann. Ich hab die Technik vor zwei Jahren von Ute gelernt und finde es immer wieder aufregend, wenn das erste Schaf zwischen meinen Knien sitzt ;D.

    LG, Géraldine

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  20. Wenn man Deine Zeilen ließt, schwelgt man immer so schön im Landleben und ist fasziniert von den tierischen und gärtnerischen Abenteuern. Und man könnte vergessen, wieviel Mühe und Arbeit so manches davon kostet und dass die Knochen nach dem Tagwerk sicher oft genug schmerzen. Wenn Du dann aber die Bilder für Deine Posts sortierst, weißt Du sicher, wofür sich das alles lohnt.
    LG Tanja

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