Donnerstag, 31. Juli 2014

Es war einmal


Sicher nur zu ganz besonderen Anlässen und Feiern wurden diese alten Weingläser meiner Großeltern aus dem Schrank heraus geholt. Wie viele Geburts- und Hochzeitstage, Lieder und Geschichten sie schon miterlebt haben. Das Foto zeigt die Silberhochzeit meiner Großeltern.
Die meisten Jahre ihres Lebens wohnten die beiden in einer kleinen Zechenwohnung. In der winzigen Küche stand der Ofen, gleichzeitig Herd und Heizung und ich erinnere mich daran, wie der Kohlenwagen einen schwarzen, staubenden Berg Kohlen vor´s Kellerfenste kippte und, einer von oben, der andere vom Keller aus, die Kohlen hinein geschaufelt wurden und man konnte mit ihnen so schon auf dem Gehweg malen. Von dort aus, in eine Schütte gefüllt, über die, bestimmt zehnmal, blutrot übergestrichenen Treppenstufen in den ersten Stock geschleppt, erst dann konnte der Ofen angefeuert werden. Sonntags, nach dem Mittagessen (als Vorspeise gab es die obligatorische Hühner- oder Rindfleischsuppe und zum Nachtisch immer Quark), wurde die große Kochplatte, mit den unterschiedlich großen Ringen, mit einer rosafarbenen, merkwürdig metallisch riechenden Paste blitzblank geschrubbt. Unvergessene Rituale.
Diese zwei Andenken haben rund fünf Jahrzehnte überstanden und werden von mir ganz besonders in Ehren gehalten. 



Just als ich die Gläser aus dem oberen Regal herausgenommen hatte und die Aufnahmen machte, scharwenzelte unser Roter herein und ließ sich die Gelegenheit, in eine sonst für ihn verschlossene Tür hinein zu lünkern, nicht entgehen.
Auch noch ein wenig `Es war einmal´ sind diese gesammelten Spinnereien der letzten Wochen. 



Einige kleine übrig gebliebene Merino-Färbungen sowie Mohair und Alpaka mit aufgefädelten Türkisen verzwirnt, ungefärbtes Milchschaf, beim blau-weißen dick-dünn Garn mit ein paar gekämmte Löckchen unserer Weißen experimentiert und schon länger kardiertes von hier gesponnen. Einzig die orange-gelbe Milchschaf Wolle ist noch nicht gesponnen.




blog3
Eine Idee von Michaela


Herzlich Willkommen sieporobilo und tomatensuppe12 mit zwei Englischen Rosen!

Kommentare:

  1. Manche Erinnerungen bleiben und das ist auch gut so. Diese Gelegenheit kann sich der Rote doch nicht entgehen lassen (hihi). Wie ich sehe, liest du auch u.a. Bartimäus. Die Bücher habe ich eigentlich damals für meinen Sohn gekauft, aber ich finde sie auch gut ;-))).
    LG Ursula

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    1. Ich muss gestehen,wir teilen uns den Bücherschrank, kann zu diesem Buch von daher nichts sagen ;o)

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  2. Hi hi, solche Gläser kenn ich auch. Die "Trauben" sind eingraviert, oder? Bei meiner Tante hat so ein Kreis mal dazu geführt, dass der Likör dort wieder hinausgelaufen ist, beim spülen hat es wohl ein Loch gegeben, das konnte man so gar nicht erkennen.
    Lieben Gruß von der Maus

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  3. Liebe Birgit,
    deine Erinnerungen und Schilderung sind so schön und lebensecht, man fühlt sich direkt in die Szenerie hinein versetzt, die Rindfleischsuppe kann ich schon riechen, sie würde sicher wunderbar jetzt schmecken...
    Die rosa Putz- und Polierpaste könnte eine Tube Elsterglanz aus dem Osten oder eine Tube Gundel-Putzpaste gewesen sein, Letztere ist auch rosa und ich verwende sie schon seit ewiger Zeit im Haushalt, ist einfach unentbehrlich das gute Stück, sehr ergiebig und für so viele Dinge zu gebrauchen.

    Von solchen Gläsern habe ich auch noch einige im Schrank, hauchdünn und mit Traubenmuster graviert, sie gehörten zu der Aussteuer meiner Mutter von 1956.

    Hab eine schöne Sommerszeit
    Gabriele

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    1. Meine Großtante hatte mit dieser Paste (an den Namen kann ich mich nicht mehr erinnern) auch den Kohleofen geschrubbt und sogar meine Mutter später noch das Bügeleisen. Dieser Geruch bleibt einfach in der Nase.
      Gerade wieder in England haben wir in winzigen Lädchen ganz alten Hausrat entdeckt. Wie die Teekanne oder die Messer tatsächlich benutzt wurden, kann ich mir dabei lebhaft vorstellen.
      Habe mich sehr über deinen Besuch gefreut!!

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  4. Ähnliche Gläser hatte meine Oma..... Wo die jetzt wohl sind?
    Und eine offene Tür ist grundsätzlich und selbstverstänlich IMMER eine Einladung für Katzen. Wo kämen wir den hin ;)
    Herzlichst
    yase

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  5. So ein paar alte Schätze hüte ich auch, Gläser, Zuckerdosen oder Hausrat. Sie sind etwas ganz besonderes.
    Deine Wollschätze lassen mich gespannt darauf sein, was du daraus mal zauberst. Ich stricke gerade mit einer rot-lila-orangen Wolle von dir, unter anderem ;-) Auf jeden Fall ist Wolle immer etwas für mein Seelen-Auge.
    Dein Kater ist mir so sympathisch. Er kann ja auch kein Wässerchen trüben :-)
    Liebe Grüße

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    1. Manchmal bin ich erstaunt darüber, wie viele solcher alten, schon fast vergessenen Dinge in unsere Familie immer wieder auftauchen, und plötzlich fallen einem die Geschichten dazu auch wieder ein.
      Der Drall ist übrigens deutlich weniger geworden...! Die ganz weichen Wollen werden wohl um den Hals kommen und aus den Milchschafen vielleicht Mützen.

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  6. So Dinge mit einer persönlichen Vergangenheit finde ich ganz toll - und noch toller, dass du sie mit uns teilst ♥ Und der Rote hat die Situation brutalst ausgenutz *lach* Kurzfristig hab ich beim lesen schon befürchtet, er hätte die Gläser runter geschmissen - aber zum Glück: alles gut!

    Alles Liebe nima

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  7. Solche Erinnerungsstücke finde ich ganz wichtig! Bei einem Besuch bei meiner Tante tranken wir Tee und sie benutzt immer noch die Tasse, aus welche schon meine Grossmutter (ihre Mutter) Tee trank. Da kamen mir wieder so viele schöne Erinnerungen!
    Die Wolle ist sehr schön und farbenprächtig!
    Liebe Grüsse
    Berni

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  8. Was für schöne Erinnerungen und toll, dass du sogar noch 2 Andenken aus dieser Zeit hast. Früher hat man solche Sachen doch noch irgendwie mehr wertgeschätzt. Heutzutage ist leider vieles nur noch für kurze Haltbarkeit und Benutzung ausgelegt. Eigentlich schade. Gerade neulich hat mir eine Freundin ähnliche alte Gläser, allerdings für Likör, vermacht. Ich werde sie in Ehren halten und zu besonderen Anlässen aus dem Schrank holen und mich daran erfreuen :-)
    Liebe Grüße
    Sabine

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  9. Liebe Birgit,
    ja, solche Dinge sollte man erhalten, behalten, denn sie tragen viele schöne Erinnerungen mit sich!
    Dein Kater ist wohl auch ein Bücherfreund...herrliche Bilder :O)
    Die Wolle...diese Farbenpracht, einfach toll!
    Ich wünsche Dir noch einen schönen Donnerstag-Nachmittag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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  10. Es ist immer wieder schön, wenn man diese alten "Erbstücke" hervorholt
    und die Gedanken schweifen lässt.
    Tolle Wolle!
    Einen schönen Tag wünscht dir
    Irmi

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  11. Im Schrank sind die Gläser sicherlich gut aufgehoben. Ich hatte auch solche alten Erbstücke, habe sie aber immer auch benutzt. Inzwischen ist keines mehr davon übrig. Ich mag Deine Erinnerungen an früher, die Du hier aufschreibst immer sehr gern, bei uns früher Zuhause, in meinem 3 Generationen Elternhaus, war vieles genau so.

    LG Manuela

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  12. ...wie schön, wenn man solche Erinnerungsstück besitzt, liebe Birgit,
    sie rufen auch Gerüche und Gewohnheiten in Erinnerung...bist du sicher, dass der Herdputz am Sonntag war? das kann ich mir bei meiner Oma gar nicht vorstellen, der Sonntag war heilig, geputzt wurde am Freitag und Sonnabend...am Montag war Wäschetag...siehst du, auch meine Erinnerungen kommen gleich aus der Kopfschublade ;-)...

    lieber Gruß Birgitt

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  13. Liebe Birgit, ja - genau diese Gläserserie habe ich geerbt. :-) Und wir benutzen sie gern - in Erinnerung.
    Schön hast du das erzählt. Welch ein Schatz.
    Auch deine 'Spinnereien' sind so schön.

    Danke auch für deine ermutigenden 'Wetter'Worte.
    Es ist schon manchmal hilflosmachend, wenn der Arzt sagt: dagegen gibt es kaum etwas, das Gebiet ist viel zu wenig erforscht. Da tut ein wenig Mitfühlen sehr gut. Danke!!! (((o)))

    Und liebe Grüße schickt dir Gisa.

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  14. Hallo Birgit,
    genau so war es Früher! Mit deiner Geschichte hast du auch bei mir Erinnerungen an Oma´s Zeiten hervorgerufen! Den Ofen sehe ich heute noch vor mir, mit seinem Schiff und dem Backofen, auf der offenen Ofentür habe ich mir oft die kalten Füße gewärmt! Zum Putzen wurde ausser der übelriechenden Paste auch noch ganz feines Schmirgelpapier benutzt! Kannst du dich auch noch an diese metallenen Bettflaschen erinnern, die wurden auch oft im Backofen erwärmt?
    Manuela ist noch im Krankenhaus, hast bestimmt nicht verlinken können, aber sie ist bestimmt bald wieder online!
    Liebe Grüße,
    Heidi

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    1. Das wusste ich nicht, hoffentlich nichts ernstes.
      An rote Gummi-Wärmeflaschen erinnere ich mich, aber zum Glück brauchte man die nicht oft.

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  15. ...die Monatscollagen sammle ich immer eine Woche lang, liebe Birgit,
    vom letzten Donnerstag des Monats bis zum ersten Donnerstag des neuen Monats, du hättest also selbst für eine Julicollage noch ein paar Tage Zeit...oder halt im nächsten Monat, ich freue mich über jede Collage und besonders, wenn du auch dabei bist...die Beiträge sind so inspirierend und wie ich gerade diesen Monat wieder festgestellt habe, lenken sie beim zurück Schauen oftmals den Blick auf das Postive im Leben -und das wollen wir doch gerne erinnern...
    wie bist du denn zum Neinengel gekommen? an den habe ich so gar nicht mehr gedacht und gerade heute kam die Erinnerung durch deinen Kommentar zur rechten Zeit...herzlichen Dank dafür...

    wünsche dir ein schönes sonniges Wochenende,
    lieber Gruß
    Birgitt

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