Sonntag, 9. August 2015

learning by doing


Das lange Aufbleiben und bis-in-die-Puppen-Schlafen, das in-den-Tag-hinein-Leben, diese Zeit geht irgendwann vorbei. Die Ferien neigen sich hier nun langsam aber sicher dem Ende entgegen und schon nächste Woche prägen arbeiten und lernen wieder vornehmlich den Alltag.


Die alte Schultasche meines Vaters, genäht, aus Leder und Pappe, hängt schon seit langer Zeit am Schrank in meinem Zimmer. Man kann ihr die Gebrauchsspuren von vielen Jahrzehnten ansehen. Als Kind habe ich oft "alte Schule" damit gespielt. Warum an dem einen der Tragriemen aber nur Öse und Haken sind, konnte ich nicht verstehen, ständig war er lose. Vermutlich warfen die Kinder sich ihre nicht zig Kilo schwere Schultasche früher einfach über die Schulter.


Wie war das, Schule in Kriegs- und Nachkriegszeiten? Vor dem Unterricht mussten erst noch Arbeiten im Haus erledigt werden, Hühner und Kaninchen versorgen, Kohlen holen. Den oft langen Weg zwischen Wohnhaus und Schule legten die Kinder per pedes oder, wenn jemand einen solchen Luxus besaß, mit dem Fahrrad zurück. Damals wurden gleich mehrere Jahrgänge in einem Klassenraum unterrichtet und der Herr Lehrer durfte sich mit dem Rohrstock Respekt verschaffen. Zum Glück hat sich in dieser Hinsicht einiges verändert. Gelernt wurde aber aber nicht nur in der Schule - zu Hause, auf der Straße unter Freunden und Geschwistern wurde Wissen weitergegeben. Und was man nicht kannte oder konnte, wurde einfach ausprobiert, manches Mal auch mit unvorhersehbaren Folgen. Über die Ferienzeit freuten sich auch damals die Kinder, wobei Urlaub im Wortschatz noch gar nicht existierte. Die Schul-Arbeit wurde eher durch andere Arbeiten abgelöst, aber aus vielen Sonntag morgendlichen Erzählungen weiß ich, dass es auch viele schöne Erinnerungen an Freude beim Lagerfeuer, Baden, Herumstromern und Abenteuer erleben gab.
Die metallene Stift-Box ist auch ein Familien-Schätzchen. Als junges Mädchen habe ich mit den Füllern meiner Eltern, in die noch Tinte aufgezogen werden musste, gerne geschrieben und ungeübt damit so manchen Tintenfleck ins Heft gemacht.



Wie ein Tafel-Putztuch schienen mir diese Spültücher (oder auch Untersetzter, wie dieser hier), daher passen sie gerade so gut ins Bild, wenn solche wohl eher meine Großeltern in der Schule benutzen. Gehäkelt habe ich die drei während der heißen  Abende der vergangenen Wochen aus Baumwolle. Das Muster des grünen Deckchens ist aus, in jeder Reihe versetzten, festen Maschen und Stäbchen  gehäkelt (wie das damalige in wollweiß), für das braune und türkisfarbene habe ich herumgetüftelt und mit den Maschen gespielt. Zuerst so viele LM wie benötigt aufnehmen, ich habe dann ein Reihe hSt gehäkelt und bin anschließend mit dem Muster gestartet:


- 1 fM und 1 Stb in eine M
- 1 M überspringen  
- 1 fM und 1 Stb in eine M



So bis zum Ende der Reihe fortfahren. 2 LM zum Wenden und in der nächsten Reihe immer in das Stb das neue fM-Stb-Pärchen setzten.
Den Rand habe ich noch einmal mit fM bzw. Stb und danach mit verschiedenen Borten in einer anderen Farbe umhäkelt.


Diesen Blick ins Guckloch sende ich heute zu Heidi und zu Michaela´s Es war einmal.

Kommentare:

  1. Meine Eltern hatten auch noch die Schiefertafel in der Schule. Als es dann soweit war, dass ich in die Schule musste, gab es auch noch die Kreidetafel. Sie war dann aber schon aus Plastik.... Wir dürfen uns noch 4 Wochen an der schulfreien Zeit erfreuen. Euch einen guten Start ins neue Schuljahr! Herzlichst Bianka

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  2. Liebe Birgit,
    ha - das kommt mir ja so bekannt vor, hatte ich doch als 1. Klässlerin und weiter solch einen Schulranzen (ende der 50iger/anfang 60iger). Er roch wunderbar nach Leder. Schön, dass du damit so eine liebe Erinnerung wieder aufleben lässt.

    Liebe Sonntagsgrüße von Gisa ♥

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  3. Ein schöner Rückblick mit Hilfe des alten Ranzens!
    Da kommen auch bei mir Erinnerungen hoch, und wieder mal das Bedürfnis, die heutige Zeit zu entschleunigen...
    Mit lieben Grüßen
    Gabi

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  4. Oh, solche Schätze, schön anzuschauen. Ich hege und pflege sie auch.
    Einen schönen Tag wünscht
    die Maus

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  5. Deine Mappe erinnert mich schwer an unsere Schülertheke, die waren nicht viel anders... dass man auf die Auswirkungen davon auf die Haltung achtet ist ein relativ neues Phänomen. Geschleppt haben wir, zumindest hier, aber auch nicht wenig damit, was dazu gefüht hat, dass man das Ding unter den Arm klemmte. War ja so cool und natürlich noch schlimmer für den Rücken. ;-)))

    Interessantes Häkelmuster, danke fürs zeigen!

    LG Alpi

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  6. Liebe Birgit, das ist so schön! Der alte Ranzen (mein erster sah übrigens ähnlich aus, es war ein Gebrauchter damals) Deine Schilderung aus jener Zeit, die mir auch so vertraut vorkommt (von meinen Eltern).
    Wie gut zu wissen, dass vieles aus unseren Leben von anderen ebenfalls als wertvoll und erhaltenswert erachtet wird.

    Herzliche Grüße zu Dir und schöne Sonnentage
    Deine Erika

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  7. Mein Vater erzählte in seinen letzten Lebenswochen - angeregt durch Kathis Opa-erzähl-mal-Buch - viel aus seiner Kinder- und Jugendzeit. U.a. berichtete er, dass die Kinder seiner Dorfschule zu Pflanz- und Erntezeiten dem Herrn Lehrer in Feld und Garten helfen mussten und so dabei lernten, welche Pflanzen wann gesetzt bzw. später geerntet wurden, wie sie gepflegt werden müssen, welche Pflanzen man in welche Gruppen einteilt, welche zueinander passen und deshalb miteinander gepflanzt werden können usw.
    Heute nennen wir sowas "Projektwoche am ausserschulischen Lernort".
    ;-)

    Ich komm dann mal im nächsten Frühjahr mit der neuen Fünf, o.k.? *grins*

    Liebe Grüße vom
    LandEi

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  8. Liebe birgit, wir haben noch 3 wochen ferien, ich fang jetzt erst an mit meinem urlaub.
    So erinnerungsstücke aus einer vergangenen zeit sind so wertvoll, weil man gar nicht weiss, was die alles so erlebt haben.
    Ich wünsch dir einen guten start in die normalität und einen schönen restsonntag.
    Liebe grüsse von grit

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  9. Liebe Birgit,
    da hast du ja einen schönen Schatz aus der Schulzeit deines Vaters zu Hause.
    Derartige Erinnerungsstücke gibt es in meiner Familie leider nicht.
    Dass du als Kind gern mit dem Ranzen gespielt hast, kann ich gut verstehen.
    Kaum zu glauben, dass die Ferien bei euch bereits enden. Hier in Niedersachsen haben sie gerade erst begonnen. Rechtzeitig zum Beginn des Sommerwetters, denn bislang war das bei uns nicht so toll.

    Vielen Dank für deine Strickanleitung der doppelten Bündchen.
    Noch habe ich nichts zur Tat werden lassen, weiß aber nun, worin bei den bisherigen Versuchen der Denkfehler lag, der mich scheitern ließ. Habe ich doch falsch herum gestrickt. D. h., erst als der Stulpen fertig war, wollte ich zum doppelten Rand gelangen, anstatt damit zu beginnen...
    Euch eine gute neue Woche und viele
    Claudiagrüße

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  10. Solch einen alten Schulranzen gibt es in unserer Familie auch noch, ich hüte ihn wie einen Schatz und freue mich oft an seinem Anblick.
    Lieben Dank auch fürs Zeigen und Erklären der hübschen Baumwolltücher, das Muster werde ich gerne einmal ausprobieren.

    Deinen Kindern einen guten Schulstart und dir
    noch einen wunderbaren Sommer

    liebe Grüße
    Gabriele

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  11. Liebe Birgit, schön ist er, dein es war einmal Post. Deine Spülis gefallen mir gut, ich werde die Muster mal nachhäkeln. Ich habe heute wieder angestrichen:-) Diesmal zwei Spiegel und einen Bilderrahmen. Die alte Schultasche von deinem Opa finde ich wunderbar, ein echter Zeitzeuge. Hab einen schönen Sonntagabend, gglg Puschi♥

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  12. Ach liebe Birgit, was für schöne Schätze Du da im Familienbesitz hast. Ja, früher waren sicher die Taschen nicht so vollgepackt und das Leben ansich ein ganz anderes als heute. Du hast es so schön geschrieben.

    Deine Häkelmuster gefallen mir. So schön sieht das aus, ich werde sie sicher auch ausprobieren. Einen schönen Sonntagabend und

    liebe Grüße
    Kerstin

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  13. ...jetzt wo du es beschrieben hast, liebe Birgit,
    fällt mir ein, dass mein erster Schulranzen an der rechten Seite auch noch Haken und Öse hatte...und ich bin jetzt noch nicht so alt...das war leichter zum Aufsetzen. weil man nur mit einem Arm durch die Schlaufe musste und den Riemen über die Schulter legte, um ihn einzuhängen...wirklich, jetzt kann ich mich ganz genau daran erinnern...der Ranzen war aus Leder und deshalb schon schwerer als die heutigen und er war orange, ich sehe ihn direkt vor mir...danke für diese Guckloch in meine Kindheit,

    lieber Gruß Birgitt

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  14. Liebe Birgit,
    wie schön, dass es noch solche Schätze in eurer Familie gibt. Die Schulkinder von heute
    würden darüber lächeln. Aber nicht nur darüber. Wir mussten noch Schönschreiben lernen.
    Und wie gerne habe ich das gemacht. Es kommt mir heute noch zugute.
    Vielen Dank fürs Zeigen.
    Liebe Grüße
    Rita

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  15. Ein Post, der mich bewegt...ich habe auch so eine alte Schultasche....damit verbindet man irgendwie immer eine schöne Kindheit. Aber ob die Schule damals leichter war? Oder das Leben?
    LG Smilla

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  16. Liebe Birgit,
    was für ein schöner alter Schulranzen,der gefällt mir sehr.
    Auch die Häkeltücher sind der Hammer sehr schön das Muster, ob ich das kapier?
    Beim Durchlesen hab ich es nicht begriffen, aber die Hitze lähmt mein blondes Hirn total, ich denke daran liegts.
    Hab es schön liebe Birgit
    von Herzen Tatjana

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  17. Der Anblick einer alten Schultasche rufen in jedem seine eigenen Erinnerungen an diese Zeit zurück. Wie stolz ich damals mit meinem (schweren) ersten Max & Moritz Tornister zum erten Mal alleine losgezogen bin.
    Die Zeiten, in denen unsere Eltern zur Schule gingen waren beileibe nicht leicht. Sie erzählen auch von Flucht und Entbehrung und an manchen Tagen ging es ums blanke Überleben. Das Wissen um diese Zeiten, erlebt von ganz nahe stehenden Menschen und durch z B die Schultasche wach gehalten, erinnern mich immer wieder daran, wie gut es uns jetzt hier geht. In wie vielen Länders sind die Lebensbedingungen nicht noch fast so wie vor 70 Jahren!?

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  18. Wie schön - die Schachtel für die Stifte hatte ich auch mal, ich glaub, sie ist nicht mehr da. Bei uns wurde sehr viel weggeworfen, zu meinem Leidwesen. Aber mein Vater hing nicht sehr an Dingen. Vielleicht wird ja mal eines meiner Enkelinnen dran hängen.
    Ich hab noch alte Bücher von der Oma, sie sind wertlos, aber wichtig für mich. Wegen der Zettel, die darinnen liegen.
    Und ich sehe es wie du: Wir sollten uns bewußt sein, wie gut es uns geht. Wir leben ohne Krieg, haben Wasser und Essen und die Kinder haben mehr Spielzeug, als sie jemals richtig nutzen können.

    Sigrun

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  19. Meine Mama hatte auch noch eine Füllfeder, in die man die Tinte aufgezogen hat - ich habe ein paar Mal damit geschrieben, allerdings nicht oft, da ich Linkshänderin bin und die Feder nicht auf mich eingeschrieben war und ich sie nicht kaputt machen wollte.

    Danke für deinen wunderschönen Beitrag ♥

    Alles Liebe nima

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  20. Hallo Birgit,
    fast genauso einen Schulranzen besaß ich auch als Kind, jedenfalls in den ersten Schuljahren und eine Tafel ebenfalls! Zum Reinigen gab´s einen kleinen Schwamm. Trotzdem, die gehäkelten Tücher sind toll, sie zeigen ein einzigartiges Muster!
    Ich freue mich über diesen Guckloch-Beitrag sehr, doch bitte,bitte im Guckloch unter Komentare, das nächste Mal Bescheid geben, damit ich rechtzeitig verlinken kann!
    Schade, das eure Ferien bald vorbei sind, unsere gehen noch eine Weile und nächste Woche habe ich dann auch endlich Urlaub!
    LG Heidi

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  21. Very interesting. I think if you learn something by doing it then you will always remember. Lovely dishcloths.

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  22. Schiefertafel, das war auch nicht schlecht, einen guten Tag für dich

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    1. Eine, schon gesprungen, sagt Willkommen in gälisch im Flur und die andere verwenden wir, um dem Postboten zu sagen, dass wir im Garten sind, falls mal keiner öffnet.
      Viele Grüße auch an dich, Birgit

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  23. Schöne Solarfärbungen Birgit !
    Deine Erinnerungen "an dieser alter Schultasche gehängt" ist schön ;-)
    (hmmm, habe mit Tintenfeder schreiben gelernt ....und wahrscheinlich
    auch oft Tintenklecks gemacht ... Füller kamen dann später)
    gemacht

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  24. hallo, ich habe jetzt nicht alle Kommentare gelesen, aber ich kann Dir sagen, warum einer der Riemen Haken und Öse hat. Früher waren an den Schulranzen ein geschlossener Riemen zum gleich reinkrabbeln und den offenen hat man hinterher genommen und eingehakt, wenn man mit dem Arm in der ersten Schlaufe drin war. Ich hatte auch so einen Lederranzen und haben ich auch immer über das offene Ding geärgert, bin aber nicht mehr ohne Verrenkung in beide Schlaufen gekommen, als ich sie mal festgemacht hatte. Ist wohl ein Gedanke der Ergonomie...
    Grüßle Cara

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    1. Manches klärt sich beim Benutzen :o) Dank dir!

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