Donnerstag, 16. Juni 2016

Ausbessern - Mending


Ich kenne niemanden, der größereres Geschick beim Ausbessern und Stopfen hatte als meine eine, die "kleine"Oma.
Ein paarmal im Jahr reisten Oma und Opa (mit Betonung jeweils auf `m`und `p´) mit einem großen Lederkoffer aus ihrer kleinen Zechenwohnung zu uns und blieben zwei, drei Wochen. Hosen, Socken, Hemden, alles was in der Zwischenzeit fadenscheinig oder ganz in die Brüche gegangen war, wartete darauf, von ihr wieder hergerichtet zu werden. Nicht nur zweckmäßig sonder ganz ebenmäßig und fast unsichtbar konnte sie stopfen. Später dann hat meine Mutter oft durchgescheuerte Kinderhosen und Sockenlöcher gestopft. Eine Socke mit Loch wegzuwerfen war für mich als junge Frau daher vollkommen undenkbar, man konnte sie schließlich reparieren. Leider war ich weniger geschickt und nur vom Zuschauen allein lernt man nicht alles richtig, so landete später auch erst die eine, kurze Zeit später die zweite durchlöcherte Socke im Müll. Inzwischen hat sich manches gewandelt. Ich sammelte wieder! Und wenn Zeit übrig und mir danach ist, hole ich den Korb mit Flicksachen und stopfe Löcher, mit zunehmender Zufriedenheit.

My grandma, at the time I called her "little granny", was a real mending-artist.
I haven´t seen anybody, who could better darn and mend clothes. She and my grandpa visited us several times a year. An old brown leather suitcase, her apron dress (she never wore trousers), his striped pyjamas, the smell of `Odol´.... long ago. Worn-out socks, trousers, shirts, all waiting for grandma´s light hands. She always used a darning mushroom and a thimble and mended everything nearly invisible. Later than my mother repaired the frazzled jeans and socks of our kids. So for me it seemed inconceivable throwing broken things away. Unfortunately I wasn´t that skilful and repaired our clothes more roughly. But over the years, remembering this, mending improved joyfully step by step. Now I collect broken things and am pleased when there is time to mend.



Schon vor längerer Zeit waren größere Flickarbeiten an dieser Lieblings-Arbeitsjeans nötig. Das rote Herz, einst nur schnell aufgebügelt, um den Riss an einer denkbar ungünstigen Stelle schnell zu kaschieren, war durch die Beanspruchung beim Pflastern des Steinkreises gebrochen. Mit untergelegtem, stabilem Baumwollstoff und vielen kleinen Stichen ist die Hose jetzt wieder trag- und strapazierfähig. Auf ähnliche Weise habe ich den Riss und die schon dünne Stelle am Bein ausgebessert und es hat Freude gemacht, Muster und Wege zu stopfen. 

Some time ago my favourite pair of working pants was frayed....inter alia at an unfortunate possible patch. The heart was just a quickly ironed solution, well not long lasting considering the strain of plastering recently. A robust cotton cloth underlayed stabilised the defective spots. I enjoyed stiching motifs and patterns, a bit like a collage.



Ich denke, auch die nachfolgenden Generation trägt etwas von diesen Ambitionen in sich und es ist schön zu sehen, wie jeder es auf ihre eigene Art und Weise umsetzt.

I even think our youngsters internalised this view within oneself and each in its own way will put into practice.



Kommentare:

  1. Liebe Birgit,
    wie schön, dir über Schulter schauen zu dürfen, gerade in einer Zeit, in der die Tendenz immmer noch zum Wegwerfen statt zum Wiederverwenden geht macht es Spaß zu sehen, wie du dem gerissenen Kleidungsstück wieder Leben verleihst.
    Liebe Grüße und eine schöne restliche Woche!
    Bianca

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    1. Der "Rest" der Jeans ist wirklich noch in Ordnung und sie passt einfach gut, da lohnt sich das Flicken schon.

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  2. Stimmt, meine Großeltern beherrschten das Bewahren und Pflegen der Dinge im Haushalt, es wurde kaum tendenziell gar nichts weggeworfen... Ich weiß zum Beispiel, dass der Wintermantel meiner anderen Oma (die wir Kinder eher mieden) aufgetrennt, umgedreht und wieder zusammen genäht worden war, um weitere 20-30 Jahre getragen werden zu können.

    Du hast dies hier so nett beschrieben, dass ich mich gerne wieder an die eigene familiäre Begebenheit erinnert habe 🤗

    Mit sonnigen Grüßen, Heidrun

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    1. Zu den damaligen Schulzeiten wurde nähen, stopfen, sticken und dgl. noch gelehrt...natürlich nur den Mädchen. Ansatzweise versuche ich es den kleinen Grundschülern nahezubringen.

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  3. Invisible mending to hide need ... and to show pride in workmanship. But now, visible mending to proudly proclaim taking the time to make things last. I think this is a good thing!

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    1. Yes, times changes and I can't imagine my grandma would like this kind of mending. But here are some more pieces waiting and I wonder how to darn other motifs.

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  4. Kreativ, ich mag so etwas auch!

    Liebe Grüsse Heike

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    1. Es gibt unendliche Möglichkeiten Kreativität auszuleben.

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  5. Gerade habe ich Innentaschen bei Männerhosen erneuert, weil sie löcherig waren.... Und Jeans, deren Saum runtergerissen war, habe ich mit einem neuen "Schein-Saum" geflickt. Sie waren bereits unterwegs und wider in der Waschmaschine.....
    Ich kann nicht so schön stopfen, wie meine Oma. Aber es macht sehr zufrieden
    Herzlichst
    yase

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    1. Eine Jeans mit ausgedünnten Taschen (Portemonnaie und Handy - ich bin kein Handtaschenmensch - hinterlassen auf Dauer Spuren) wartet auch noch.

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  6. Ich weiß auc noch davon zu berichten, dass bei uns nichts weggeschmissen wurde.
    Strümpfe mit Loch wurden gestopft, Selbst für die Nylons gab es eine Haken, damit man die Laufmaschen beheben konnte. Ich höre es immer wieder gern,
    dass auch heute noch Flickarbeiten vorgenommen werden.
    Einen schönen Resttag wünscht dir
    Irmi

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    1. Zum Färben habe ich noch ein paar ganz alte ausgebesserte weiße Bettlaken. So wie sie sind erzählen sie Lebensgeschichten.

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  7. Liebe Birgit,
    auch bei uns zuhause war es üblich, kaputte Kleidung auszubessern und weiter zu tragen. Ganz selbstverständlich lernte ich das in den Ferien bei Besuchen von meiner Oma und erinnere mich noch gut an das Erstaunen meines späteren Freundes:
    Er kam in unser Wohnzimmer, wo ich auf dem Sofa saß und rief ungläubig "Was machst du denn da? WAS? Du stopfst Strümpfe?!" Ja, so war das ;o)
    Gut, wenn solche Fähigkeiten und überhaupt das Interesse daran, nicht immer nur wegzuwerfen und neu zu kaufen weitergegeben werden...
    Claudiagruß

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    1. Socken richtig gut zu stopfen finde ich noch immer sehr schwierig, glücklicherweise fallen wenige an, alles andere ist kein Problem.

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    2. Für mich ist immer entscheidend, wo das Loch sitzt - und natürlich, wie groß es ist.
      Vorne an den Zehen habe ich beim Stopfen keine Probleme. Der Sohn allerdings lief als Kind immer die Fersen durch. Die Löcher waren riesig, oder zumindest das umliegende Gewebe schon hauchdünn geworden.
      - Mehr Loch, als Strumpf ;o)
      Da war dann oftmals leider nichts mehr zu retten.

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  8. Ich habe auch noch stopfen gelernt..., und manchmal darf ich an einen Pullover oder eine Strickjacke des Gefährten dran, um Löchlein unsichtbar zu machen. Immer schön... Als meine Lieblingsarbeitsjeans neulich über dem Knie riss, war es gerade so warm, da hab ich sie kurzerhand in eine kürzere Arbeitshose verwandelt ;-). Lieben Gruß Ghislana

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    1. Wegen der Zecken trage ich bei der Gartenarbeit lieber lange Hosen, für die Kinder war diese Lösung aber oft optimal. Auch, wenn die Beine in kurzer Zeit zu schnell gewachsen sind ;o)

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  9. What a great post about meaningful family memories! I love the idea of saving something by mending it-especially favorite jeans that are so soft and comfy :-)

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    1. Jeans fits better the longer you wear them.

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  10. Dieses Nähkästchenfoto versetzt mich sofort in vergangene Zeiten, hier gibt es auch noch viel Ähnliches. Auch tiptop ausgebesserte Leintücher und Küchenschürzen u.ä. Ich selber bin nicht die ganz große Sockenstopferin, aber gute Woll- oder andere Lieblingssocken repariere ich schon deshalb, weil ich sie so gerne trage. Der springende Punkt ist immer, dass man nicht zu lange warten darf - wenn man dünne Stellen gleich "überarbeitet", gibt es erst gar kein Loch.
    Und die Jeans hat das Herz auf dem rechten Fleck! :-)
    Liebe Grüße,
    Brigitte

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    1. Damals wurde wirklich aus der Not heraus geflickt, mit dem aufkommenden Wohlstand sind viele Fähigkeiten dann in Vergessenheit geraten. Umso erfreulicher ist es, wenn sich Menschen wieder zurückbesinnen oder auch dazulernen.

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  11. Liebe Birgit,
    das ist ein wunderbarer Post ...auch ich kenne es nicht anders von Oma und auhc Mama, daß nichts weggeworfen wird, sondern erst mal geflickt wird, so lange es noch irgendwie geht! und so halte ich es auch! Auch Socken werden bei mir noch gestopft, mit einem schönen alten Stopfei von meiner Oma :O)
    Danke für diesen schönen, erinnerungshervorrufenden Post!
    Ich wünsche Dir einen wundervollen Tag und einen guten Start in ein schönes Wochenende!
    ♥ Allerliebste Grüße , Claudia ♥

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    1. Ein Stopfei kenne ich gar nicht. Interessant finde ich, wenn ich ein paar der gedrechselten Pilze mit zum Markt nehme, denken viele, dass es Stopfilze seien. Das Wissen darum ist also doch nicht gänzlich verschwunden.

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  12. Boah das Nähkasterl-Foto soooo zauberhaft, sooo wunderschön schaut das aus und tolle Flickarbeiten, ja wer macht das heute schon noch obwohl das richtige Kunstwerke.
    Alles Liebe von Tatjana fühl dich gedrückt liebe Birgit

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    1. Das eigentlich Nähkistchen meiner Oma ist sogar noch in Grbrauch, die kleinen textilen Dinge stehen in einer alten Holzkiste. So sehe ich sie ab und an und kommen besser als in der Schublade zur Geltung.

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  13. Ich bin heute sehr froh, dass ich als Kind und als junge Frau von Oma lernen durfte. Auch hier wird gestopft und geflickt, um die Sachen zu erhalten. Fein, dass ich Dir dabei zusehen darf :-)
    LG von der Maus

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  14. Liebe Birgit,
    ja, meine Oma konnte auch so schön stopfen......und nicht`s aber auch gar nicht`s wurde weggeschmissen! Das prägt irgendwie und so stopfe ich auch immer wieder :-) .....nur Baumwollsocken (die gekauften) landen im Müll! Löchrige Hosen, sind ja im Moment in Mode!!!!! Trotzdem wird im Hause Wichtelhüsli geflickt, wenn auch nicht so kunstvoll wie bei dir hier!
    Herzensgrüassli
    Yvonne

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    1. Heutzutage wird bei der Herstellung viel weniger auf Langlebigkeit oder gar Reparaturmöglichkeit geachtet - wohl mit (Profit-)Bedacht.

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  15. Voilà une jolie façon de faire durer les choses, à l'époque où nous jetons tout, c'est bien de réparer.... Bonne journée,

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    1. Il fait peu effort, mais ce travail rend également satisfait. Sorry, my français, it´s too long ago. It´s good to remember that everone is able to do something by oneself and maybe this is an incentive.

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  16. Toll, liebe Birgit!

    Das erinnert auch mich an meine Oma Vester, die abends an ihrer Tritt-Nähmaschine noch Hemdenkragen wendete. Und wenn die Oberhemden von Opa dann ganz "auf" waren, wurden aus den größeren Flächen noch Taschentücher gemacht.

    Liebe Grüße

    von Birgit

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    1. Oh ja, ganz zum Schluss wurden dann Putzlappen daraus und machen "Hemd" kenne ich noch aus meiner Schulzeit!

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  17. Liebe Birgit,

    so eine stopfende Oma wäre sschon was...Ich habe ja als Kind das Sockenstopfen auch noch gelernt. Und die kostbaren Wollstrumpfhosen der eigenen Kinder, als sie noch klein waren, habe ich auch allermeist gestopft. Irgendwie hatte das auch was Meditatives. Vielleicht sollte ich einfach mal wieder Socken stopfen, lach.

    Liebe Grüße
    Nula

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    1. Das Lassen der Gedanken bei diesen Arbeiten empfinde ich auch als entspannend.

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  18. Liebe Birgit,
    "...mit zunehmender Zufriedenheit". Hmm, nee das kann ich von mir nicht behaupten.
    Als meine Kinder klein waren, da hatte ich noch gestopft. Jetzt fliegen die Socken in den Müll. Nur handgestrickte natürlich nicht.
    Aber größere Dinge wie Hosen, Pullover usw, die ja, die werden repariert und gestopft. Je nach dem.
    Das Herz hat jetzt einen besonderen Wert und es sieht schön aus. Jetzt hat es einen individuellen Charakter.
    So eine Oma ist Gold wert. Ich hatte echt zeitliche Probleme mit meinen Dreien als sie klein waren. Mein Gott was da so anfiel. Sie waren wild.
    Liebe Grüße lykka

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  19. Als Mutter, mittendrin im Trubel, bleibt manches einfach aus Zeitgründen auf der Stecke, da ist eine Oma ein echter Schatz.

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